Der Australier John Barrie Dyke ist Dyko. Er ist Musiker, Wahlfrankfurter und popkultureller Botschafter der deutschen Sprache überall auf der Welt. Bei Sushi schwärmt er von David Bowie und Overalls für Kunststudenten.
Seine erste Platte war "Never Mind the Bullocks" von den Sex Pistols. Mit charmantem australischen Akzent erzählt uns der Sänger und Gründer des Elektropop-Duos Dyko von seinen musikalischen Wurzeln. ",The Birthday Party‘ von Nick Cave hat mich sehr beeindruckt. Und ,Heroes‘ von Bowie. Ich kriege Gänsehaut, wenn ich nur den Titel ausspreche. Ich habe damals meinen Kopf zwischen zwei schimmlige Sanyo-Boxen gesteckt und ,Heroes‘ gehört. Dieser Song ist für mich das Bedeutendste." Mit 13 hat Dyke angefangen, Schlagzeug zu spielen. Eines Nachts um drei Uhr sah der Australier ein Livekonzert von U2 über Satellitenfernsehen: "Larry Mullen, der Schlagzeuger, hat so leidenschaftlich gespielt, das hat mich zum Schlagzeugspielen gebracht. Aber jetzt bin ich doch Sänger geworden." Seine Deutschkenntnisse hat er sich selbst beigebracht. Mit Video-Sprachkursen aus den siebziger Jahren. Einsatz finden diese Videos auch auf seinen Konzerten. Es gibt Ausschnitte davon als Visuals und Textzeilen daraus in den Songs. "Da hat sich die Frage gestellt, warum wir nicht gleich mit dem Goethe-Institut zusammenarbeiten. Wir sind schließlich keine Jazzband, sondern ein musikalischer Deutschsprachkurs."
Inzwischen spielen Dyko auf Festivals und Bühnen in aller Welt. In Amerika, England, Irland, sogar in Weißrussland sind sie erfolgreich aufgetreten, haben über 100 Konzerte in 24 Ländern gespielt. Interessieren sich die Deutschen nicht für ihre Musik? "Ich habe schnell gemerkt, dass es hier keine große Begeisterung und Akzeptanz gab, dass das in Moskau besser geht als in Mainz. Aber Kraftwerk waren auch nicht anerkannt in Deutschland. Bis sie nach New York gegangen sind und dort akzeptiert wurden." Als Hommage an die Elektro-Pioniere hat er gemeinsam mit dem Ex-Kraftwerker Wolfgang Flühr "Autobahn" neu aufgenommen. Eine Zusammenarbeit für nur ein Projekt.
Video-Tipp: "Autobahn" live, Dyko feat. Wolfgang Flür (Ex-Kraftwerk)
Dyko sind zwei Personen: John Barrie Dyke und Christofer Jost, Doktor der Musikpädagogik an der Uni Basel und der Mann am Synthesizer. Wenn sie Musik machen, tragen sie Overalls: "Rote für die Auftritte, schwarze im Studio. Die Idee stammt aus dem Bauhaus. László Moholy-Nagy hat darauf bestanden, dass seine Studenten so zum Unterricht erscheinen und damit ein Zeichen geben, dass sie arbeiten gehen."
John Barrie Dyke liebt die Kunst. Nachdem er 2007 ein Stück namens "Vorort" geschrieben hatte, entdeckte er, dass der Maler Neo Rauch etwa zur selben Zeit ein Bild namens "Vorort" gemalt hat. "Ich habe ihn angeschrieben und ihn um Erlaubnis gebeten, sein Bild zu benutzen. Um es bei Konzerte als Dia an die Wand zu werfen. Er hat sofort eingewilligt - nur seine Galeristin war leider dagegen."
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