Er verbrennt einen 50-Euro-Schein und malt ein Mondgesicht mit Namen Mohammed - alles im Zeichen der Freiheit. Der Comedian und Wissenschafts-Kabarettist Vince Ebert erobert von Frankfurt aus die Bühnen der Republik.
Julia Kroh
Vince Ebert: "Die haben gedacht, der ruft jetzt zum 7. Mal an, dann lassen wir ihn halt spielen."
Am morgen unseres Treffens hat er auf seiner Homepage noch den "Freiheitsgedanken" aktualisiert. Sowas wie die persönliche Losung der Woche. Da schlägt er der Bahn vor, jedem Bahncard-100-Kunden ein Sturmgewehr obendrauf zugeben. Damit könnten dann Vielfahrer nervtötende Kegelclubs in Schach halten. Eine radikale Idee. Und natürlich nur ein grober Spaß, wie Vince Ebert am Mittag zugibt, als er seinen Caesar Salad mit Shrimps bestellt.
Sein neues Programm heißt "Freiheit ist alles". Es könnte sein bislang erfolgreichstes werden. Jedenfalls ist es jetzt schon ein häufig diskutiertes - wegen zweier Nummern. In der ersten malt Vince ein Mondgesicht (Punkt, Punkt, Komma, Strich) auf ein Flip-Chart und fragt das Publikum anschließend: "Und wer traut sich jetzt, da Mohammed drunter zu schreiben?" Manchmal macht es jemand in der Pause. Anonym, aber die Freiheit gönnt man sich. Die zweite Aktion beginnt mit der Frage "Wenn uns der Besitz von Geld unfrei macht, vielleicht befreit uns dann das Vernichten von Geld?" - spricht's und verbrennt einen 50-Euro-Schein. "Da habe ich am meisten dran gefeilt", sagt Ebert. Die Auflösung lautet: Die größte Freiheit ist die Überwindung von Denkverboten. Du darfst alles tun, solange du damit keinen schädigst. Die Zuschauer seien davon "komplett begeistert".
1998 wagt Vince Ebert den Sprung auf die Bühne. Der studierte Physiker hat vorher als Unternehmensberater gearbeitet. In Kollegengesprächen macht er sich über Kunden lustig: "Ich konnte diese Vorstandsvorsitzenden nie ernst nehmen. Die sitzen da und lassen sich von einem Endzwanziger erklären, wie sie ihr Unternehmen führen sollen." Kollegen raten ihm: "Mach doch mal was mit Comedy!" Er nimmt sich einen Halbtagsjob, tritt abends mit einer Zehn-Minuten-Nummer auf Kleinkunstbühnen auf. Bald ist ein abendfüllendes Programm fertig und das Café Kaktus in Friedberg bietet die Chance zur Aufführung. "Die haben gedacht, der ruft jetzt zum 7. Mal an, dann lassen wir ihn halt spielen."
Vor sieben Jahren lernt er Eckart von Hirschhausen kennen. Der "Glücks-Mediziner" und heutige ARD-Moderator ("Tietjen und Hirschhausen") startet da gerade seine eigene Karriere als erster Wissenschafts-Kabarettist Deutschlands. Dessen Managerin Susanne Herbert sagt Vince: "Wenn du ein Programm mit Physik machst, dann nehme ich dich".
Als zweiter Wissenschafts-Kabarettist tourt er seitdem durchs Land. Seine alte Fakultät lud ihn neulich ein - zu einem Kolloquium, an dem sonst nur Physiker teilnehmen, die im Verdacht stehen, irgendwann mal den Nobelpreis zu erhalten.
Tobias Rüb
Vince Ebert (42) wächst im Odenwald auf. In Würzburg studiert er Physik, arbeitet dann ab 1995 bis zum Start seiner Comedy-Karriere als Unternehmensberater und Marktforscher. 2004 zieht er nach Sachsenhausen, wo er heute noch wohnt - und wohin er nach Auftritten gerne wieder zurückkehrt. vince-ebert.de
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