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Kunst-Kolumne Nr. 11

Fleetinsel: Saisonstart mit Sogkraft

Die Galerien auf der Fleetinsel sind in diese Saison leise gestartet - ohne spektakuläre Wanddurchbrüche oder Flutungen von Räumen. Stattdessen mit Klassikern wie Robert Barry, Sigmar Polke und David Tremlett.


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Alexandra Ranner


Zwei Ausstellungen mit ganz besonderer Sogkraft wollen wir hier ausdrücklich empfehlen: artfinder Galerie/Mathias Güntner zeigt Fotografien und ein Video von Alexandra Ranner und die Produzentengalerie Hamburg Malerei von Jonas Burgert. Sie finden beide Galerien im Hinterhaus der Admiralitätstrasse 71.

>> Hier geht's zur Übersicht aller aktuellen Ausstellungen und Adressen dieses kleinen ART WALKs in der Neustadt

Ein Lichtspot in der artfinder Galerie/Mathias Güntner ist auf ein Fenster und eine Glastür in hinterem Teil des farbigen Pigmentabzugs "Raum IV" von Alexandra Ranner gerichtet. Dort ist es sowieso so gleißend hell, dass man sofort mit den Augen hin will, um den vermeintlichen Steinstrand und das windstille Meer ab zu wandern. Erst danach erkennt man im dunklen, unbeleuchteten Vordergrund des Fotos zwei benutzte Schlafstätten in einem beengten Zimmer. Alles sieht verlassen und so unwirklich aus, dass ich mir auf einmal nicht mehr so sicher bin, ob ich wirklich sehe, was ich sehe.

Diese Verunsicherung der Wahrnehmung würde der 43jährigen Künstlerin und Professorin an der Universität der Künste in Berlin sicher gefallen. Spielt Alexandra Ranner doch mit Realitäts- und Wahrnehmungsebenen in ihrer Kunst. Ausgangspunkt für die gezeigten Fotos sind gebaute Modelle. Mit der von mir gesehenen Wirklichkeit haben die abgebildeten Räume also gar nichts zu tun. Ranners Kunst macht vielmehr innere Räume sichtbar. Wir schauen in unsere eigenen emotionalen Befindlichkeiten und Ängste oder sehen unsere Träume. Die den Galerieraum dominierende Arbeit dieser Ausstellung ist das Video Silencio Súbito (Mann). Ein Mann lauscht angestrengt in die absolute Stille, fängt leise zu singen an und brüllt dann plötzlich irrsinnig laut: "A Ruah iss!" Ich finde das Video wichtig in Ergänzung zu den Fotos, weil es noch einmal die allen Arbeiten zugrunde liegende, sinnentleerte Spannung und den schrägen Humor der Künstlerin vorführt.

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